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Titelaufnahme

Titel
Ausgewählte unternehmensrechtliche Aspekte des Interim Management in Österreich / eingereicht von Mag. Maria Th. Bühler
VerfasserBühler, Maria
Begutachter / BegutachterinKeinert, Heinz
ErschienenLinz, 2017
Umfang51 Blätter : Illustrationen
HochschulschriftUniversität Linz, Univ., Diplomarbeit, 2017
SpracheDeutsch
DokumenttypDiplomarbeit
Schlagwörter (DE)Interim Managemet / Management auf Zeit / Task Management
Schlagwörter (GND)Österreich / Interim-Management / Unternehmensrecht / Haftung
URNurn:nbn:at:at-ubl:1-14162 Persistent Identifier (URN)
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Ausgewählte unternehmensrechtliche Aspekte des Interim Management in Österreich [0.8 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Interim Management ist ein rechtstatsächliches Phänomen des modernen Wirtschaftslebens, das sich bisher in Österreich kaum in der Literatur und gar nicht in der Judikatur niederschlägt. Der Mark ist jung, hat sich doch erst im Jahr 2006 der erste professionelle Marktteilnehmer etabliert. Um die mannigfaltigen Themen und Risiken, die mit diesem Geschäftsmodell verbunden sind zu analysieren, ist daher der Blick über die Grenzen, insbesondere nach Deutschland, zwingend. Und obwohl sich im deutschsprachigen Ausland eine große Zahl von Management- und betriebswirtschaftlicher Literatur dazu findet, ist eine rechtswissenschaftliche Auseinandersetzung erst im Jahr 2015 mit der Habilitation von Katharina Uffmann erfolgt. Interim Manager (IM) sind hochqualifizierte Fachleute, die für einen befristeten Zeitraum von Unternehmen zur Bewältigung von Linien- oder Projektleitungsaufgaben engagiert werden. Anders als die klassischen Unternehmensberater setzen sie die Maßnahmen, die sie nach einer Analyse vorschlagen, im beauftragenden Unternehmen um. Sie verantworten die Ergebnisse also auch. Um das tun zu können, müssen sie im Unternehmen tätig werden und sich abhängig von der Aufgabe auch der Infrastruktur und der Mitarbeiter des Unternehmens bedienen. Interim Manager agieren als Selbständige, besitzen einen Gewerbeschein, haben keinen Anspruch auf Urlaubs- und Weihnachtsrenumeration und die Arbeitnehmerschutzbestimmungen gelten für sie nicht. Ihre Verträge sehen sehr kurze Kündigungsfristen vor, manchmal nur einen Tag. Die Interim Manager schließen mit dem Interim Management Nehmer selbst oder über eine vermittelnde Agentur, dem Provider, einen Werkvertrag, einen Dienstleistungsvertrag oder einen freien Dienstvertrag ab. Ausdrücklich nicht gewünscht ist von den beteiligten Vertragsparteien der Abschluss eines Anstellungsvertrags als unselbständiger Erwerbstätiger. Die österreichische Rechtsordnung ist auf dieses Berufsbild nicht vorbereitet weder legistisch, noch verwaltungstechnisch. Die Interim Manager besitzen kein eigenes, definiertes Berufsbild und sind in der Kammerorganisation unter den Unternehmensberatern subsumiert. Es ist offensichtlich, dass mit diesen Konstellationen eine Reihe von rechtlichen Grenzfällen und Risiken verbunden ist. Diese sind zum Teil höchst komplex und ungeklärt. Die Folge ist eine große Rechtsunsicherheit für die Marktakteure und dies trotz steigender Nachfrage und steigendem Angebot. Denn Interim Management ist eine neue Arbeitsform, die von den Unternehmen als Folge des ständig steigenden Ergebnisdrucks zunehmend nachgefragt wird. Die brennendsten Themen in diesem Zusammenhang sind Scheinselbständigkeit und Haftungsfragen. Wie aktuell das Thema Scheinselbständigkeit ist, zeigt ein besonders drastisches Beispiel, über das Der Standard in seiner online Ausgabe vom 9. September 2016 berichtete: Fünf Personen, die seit 20 Jahren ein Team sind, haben Ende 1996 eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) gegründet. Das Geschäftsfeld ist die Entwicklung und der Vertrieb von Software für radiologische Einrichtungen. Drei der Gesellschafter besitzen jeweils 23,25 Prozent der Firma, einer fünf Prozent und die Geschäftsführerin, ist mit 25,25 Prozent die größte Anteilseignerin. Die geschäftlichen Entscheidungen wurden stets gemeinsam getroffen. Um ein Überstimmen der kleineren Eigentümer zu verhindern, wurde im Gesellschaftsvertrag geregelt, dass Beschlüsse nur mit 90-prozentiger Mehrheit gefasst werden dürfen. Die Beteiligten waren überzeugt gleichberechtigte und selbstständige Unternehmer zu sein. Die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) sieht das anders. Seit knapp eineinhalb Jahren unterzog die WGKK die GmbH einer Gemeinsamen Prüfung aller lohnabhängigen Abgaben (GPLA). GPLA bedeutet die gemeinsame Prüfung aller lohnabhängigen Abgaben durch Gebietskrankenkasse (GKK) und Finanz. Kontrolliert wird ob Steuern und Beiträge korrekt abgeführt wurden und ob es sich bei Selbstständigen tatsächlich um solche handelt. Bei gleichberechtigten Eigentümern sollte diese Frage einfach zu klären sein. Vier der fünf Gesellschafter sollen gemäß Krankenkasse zu unselbstständigen Dienstnehmern erklärt werden. Nur die Geschäftsführerin wird von der GKK als selbstständige Unternehmerin angesehen. Nach Einschätzung der Krankenkasse sind Eigentümer, die über eine Sperrminorität verfügen, als echte Dienstnehmer im Sozialversicherungsrecht einzustufen und somit automatisch lohnsteuerpflichtig. Die Höhe der Nachforderung ist noch unklar. Zunächst standen für eine Periode von fünf Jahren 380.000 Euro im Raum. Auf Grund von früheren, unbeanstandeten Lohnsteuerprüfung, sagte die WGKK dem Steuerberater zu, dass nur drei Jahre verrechnet würden. Dies bedeutete eine Reduktion von 180.000 Euro auf 200.000 Euro. Egal wie dieser Fall ausgeht, es kann für dieses Unternehmen und in vielen ähnlich gelagerten Fällen existenzbedrohend sein und ist es vielfach tatsächlich auch. Diese Rechtsunsicherheit schwebt wie ein Damoklesschwert über fast allen Branchen, die freiberufliche Tätigkeiten anbieten. Die Klärung der offenen Fragen und die Herstellung der entsprechenden Rahmenbedingungen und damit einer Rechtssicherheit sind überfällig. Eine zweite Frage, die bei Interim Managern, die häufig auch als Organe von Kapitalgesellschaften zum Einsatz kommen, ist jene nach der Haftung. Gelten dieselben Regelungen wie für die fix angestellten Organe und ist vor allem die in Österreich neue Haftungsentlastungsregel der Business Judgment Rule (BJR) auch auf Interim Manager anwendbar? Diese beiden Themenblöcke werden in dieser Arbeit mit Blick nach Deutschland für Österreich untersucht.