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Titelaufnahme

Titel
Robo-Advice : die Wahrnehmung menschlicher versus maschineller Beratung / eingereicht von Renate Höttl
VerfasserHöttl, Renate
Begutachter / BegutachterinCocca, Teodoro D.
ErschienenLinz, 2017
UmfangVIII, 113 Blätter : Illustrationen
HochschulschriftUniversität Linz, Masterarbeit, 2017
SpracheDeutsch
DokumenttypMasterarbeit
URNurn:nbn:at:at-ubl:1-17618 Persistent Identifier (URN)
Zugriffsbeschränkung
 Das Werk ist gemäß den "Hinweisen für BenützerInnen" verfügbar
Dateien
Robo-Advice [1.4 mb]
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Klassifikation
Zusammenfassung (Deutsch)

Den Ausgangspunkt dieser Arbeit bildet der technologische Wandel in der Anlage- und Vermögensberatung. Durch den zunehmenden Einsatz von innovativen Technologien besteht ein enormes Veränderungspotential für die gesamte Finanzdienstleistungsbranche und deren Akteure. Die automatisierte, digitale Anlageberatung, auch Robo-Advice genannt, stellt eine dieser aktuellen Entwicklungen dar, die die Anlage- und Vermögensberatung nachhaltig verändern könnte. Mittlerweile haben nicht nur Fin-Techs das enorme Potential der Robo-Advisors erkannt, auch etablierte Finanzinstitute versuchen immer stärker Leistungen des menschlichen Anlageberaters durch innovative Technologien zu ersetzen und sich den wandelnden Kundenbedürfnissen anzupassen.

Im Zuge dieser Arbeit wurde daher die Wahrnehmung der maschinellen Anlageberatung im Vergleich zur menschlichen Anlageberatung analysiert, um festzustellen, inwieweit Technologien wie die Robo-Advisors die durch einen Anlageberater erbrachte Beratungsleistung ersetzen können. Dazu wurde eine umfassende interdisziplinäre Literaturrecherche durchgeführt und relevante wissenschaftliche Erkenntnisse dargestellt, die einen Anknüpfungspunkt zum Thema der menschlichen bzw. maschinellen Beratung bieten. Anhand der dargestellten Literatur und dem Vergleich mit Branchen, in denen Berater ähnliche Leistungen erbringen, wurden Rückschlüsse auf die Finanzdienstleistungsbranche gezogen und Implikationen für die Anlageberatung abgeleitet.

Zusammengefasst lässt sich festhalten, dass die automatisierte Anlageberatung durchaus für Retail- und Affluent-Private-Banking-Kunden mit bestimmten individuellen Merkmalen geeignet ist. Zuallererst ist ein gewisses Vertrauen in die eigenen finanziellen und technischen Fähigkeiten notwendig, um die au-tomatisierte Anlageberatung optimal nutzen zu können. Darüber hinaus verfügen vor allem Personen, die bereits positive Erfahrungen mit anderen Online-Finanzdienstleistungen gemacht haben und künst-licher Intelligenz und Online-Lösungen positiv gegenüberstehen, über das notwendige Vertrauen, um sich auf die Empfehlung eines Algorithmus zu verlassen. Ob dieses Vertrauen auch erhalten bleibt, wird vor allem durch die Performance der Robo-Advisors bestimmt. Dennoch gibt es bei der Darstellung und Nutzung von computergenerierten Informationen noch einige Herausforderungen zu bewältigen, um mithilfe von Robo-Advisors eine Anlageempfehlung zu erhalten, die den Bedürfnissen und Präferenzen des Kunden entspricht.

Wie sehr sich die automatisierte Anlageberatung etablieren wird, entscheidet aber immer noch der Kunde. Die dargestellten Studien in Bezug auf die Wahrnehmung von Empfehlungs- und Prognosesystemen deuten darauf hin, dass computergenerierte Empfehlungen häufig als objektiver und rationaler wahrgenommen werden, als die Empfehlungen eines Menschen. Dennoch wird bei Prognosen im Finanzbereich - wo die Ergebnisse einer komplexen Entscheidung unsicher sind - der Empfehlung eines menschlichen Experten scheinbar immer noch stärker vertraut, als einer computergenerierten Empfehlung. Aktuelle Untersuchungen deuten ebenfalls darauf hin, dass bei den meisten Kunden noch der Wunsch nach einer persönlichen Beratung besteht, weshalb vor allem ein hybrides Modell der Anlageberatung als die vielversprechendste Variante der Robo-Advisors gesehen wird. Ein solches Modell würde eine Weiterentwicklung der bisherigen beratungsgestützten Robo-Advisors darstellen, das die Vorteile eines menschlichen Beraters mit der Rechenleistung von Maschinen verknüpft.

Ist das Marktumfeld beispielsweise schwierig, reagieren Anleger häufig ängstlich oder panisch, vor allem jene, die über wenig Selbstvertrauen in Bezug auf die eigenen finanziellen Fähigkeiten verfügen. In solchen Situationen kann eine Maschine den Berater aus Fleisch und Blut nicht ersetzen. In manchen Fällen wird bloß ein Telefongespräch ausreichen, in anderen Fällen wird auch ein persönliches Gespräch mit dem Berater notwendig sein, der die Sorgen des Anlegers versteht, und mit sozialer und emotionaler Intelligenz komplexe, individuelle Probleme des Anlegers flexibel und kreativ lösen kann. Die menschliche Beratung umfasst daher viel mehr als eine bloße Anlageempfehlung und lässt sich mit den Leistungen der derzeitigen Robo-Advisors kaum vergleichen