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Titelaufnahme

Titel
Ursachen der Jugendkriminalität - Adoleszenzkrise / eingereicht von Wilhelm Peter Vihaus
VerfasserVihaus, Wilhelm Peter
Begutachter / BegutachterinBirklbauer, Alois
ErschienenLinz, 2017
Umfang36 Blätter
HochschulschriftUniversität Linz, Diplomarbeit, 2017
SpracheDeutsch
DokumenttypDiplomarbeit
Schlagwörter (DE)Jugendkriminalität / Adoleszenz / Soziologie / Psychologie / Gendergap
URNurn:nbn:at:at-ubl:1-17741 Persistent Identifier (URN)
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Ursachen der Jugendkriminalität - Adoleszenzkrise [1.78 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Im Fokus stehen im Folgenden delinquente Jugendliche und junge Erwachsene, innerhalb der strafrechtlich relevanten Zeitspanne, zwischen der Vollendung des vierzehnten und vor der Vollendung des einundzwanzigsten Lebensjahres (§ 1 Z 2 und Z 5 JGG). Dabei wird das Augenmerk auf kriminelles Handeln in Verbindung mit vorsätzlicher physischer Gewaltausübung gelegt. In einem weiteren Punkt betrachten wir den besonders auffälligen, gravierenden Gendergap.2 Die Ursachen der Jugendkriminalität sind durch die physische und psychische Individualität eines adoleszenten Delinquenten und die enorme Vielfalt der externen Einflüsse auf den Täter in ihrer Quantität nicht bestimmbar. Diese Arbeit kann deshalb nur auf spezielle Konstellationen eingehen, wobei auf die Situation der jugendlichen Migranten im Besonderen eingegangen wird. Erklärungsansätze für die Ursachen der Jugendkriminalität gibt es viele. Die Wissenschaften der Psychologie, der Soziologie, der Neurowissenschaften3, der Pädagogik und einige andere versuchen, dieses Phänomen singulär, auf eine auf ihr Wissensgebiet eingeschränkte Weise, zu erklären. Ein allgemein anerkannter Ansatz zur Erklärung dieser vielschichtigen Aufgabenstellungen liegt nicht vor.4 Diese Arbeit geht punktuell auf Erkenntnisse zur Identitätsentwicklung von Kindern und Jugendlichen, aus der Sicht von Peter Blos - Vertreter des psychoanalytischen Ansatzes, Erik Erikson - Entwickler einer psychodynamischen Herangehensweise und Klaus Hurrelmann und seinen Mittautoren - ihres Zeichens Proponenten von soziologischen Theorien, ein.

Der Versuch, ein Schema zu finden, um adoleszente Delinquenz, von der Sachbeschädigung bis zum Mord, nachvollziehbar erklären zu können, bedarf grundsätzlich der Zusammenarbeit aller beteiligten wissenschaftlichen Fachrichtungen. Erst seit etwa 20 Jahren gibt es Studien, welche die Ursachen der Jugendkriminalität - eher zaghaft - interdisziplinär erforschen.5 Dabei erscheint ein Phänomen besonders interessant. Die weit überwiegende Mehrzahl straffällig gewordener Jugendlicher kehrt mit Ende der Adoleszenz auf den Weg der Normtreue zurück und führt - auch ohne Eingriff durch rechtsvertretende staatliche Stellen - ein normkonformes Leben. Dafür müssen aber auch die Voraussetzungen stimmen. Ist der Heranwachsende in seinem Entwicklungs- und Hormonrausch auf seinem schlingernden Pfad zwischen sozialverträglicher Tugendhaftigkeit und den zahllosen Varianten der Delinquenz - bis hin zur intrinsischen Gewalt, zu sehr vom kodifizierten, normgerechten Weg der Gesellschaft abgekommen, könnte der „point of no return“ überschritten sein.

Der Nährboden für kriminelles Verhalten besteht aus einem Konglomerat von Prädispositionen und suboptimalen äußeren Bedingungen, welche die - in individuell unterschiedlich auftretender Prävalenz - eingebrachten Keime der Normabweichung gedeihen lässt. Je markanter die negativen inneren und äußeren Konditionen des Jugendlichen, desto größer die Wahrscheinlichkeit einer Delinquenz. Die Ausgangslage des Adoleszenten ist dann vergleichbar mit einem russischen Roulette. Je mehr Patronen in der Trommel des Revolvers, umso größer die Chance auf einen lauten und folgenschweren Knall. Wie hängen jugendliches Alter, biologische Entwicklung, Persönlichkeitsreifung und Kriminalität zusammen? Was ist Adoleszenz? Was bedeutet Krise und Delinquenz in diesem Kontext? Wo sind die möglichen Anknüpfungspunkte der Jugendlichen zu Delinquenz und - als Beispiel aus der Vielfalt der Devianzen - zu körperlicher Gewalt? Was ist ihre Motivation? Sind es innere oder äußere, psychologische oder neurobiologische Umstände, die zu solchen Abweichungen von den gesellschaftlichen Normen führen? Liegen höhere psychisch-soziale Belastungen für immigrierte Adoleszente vor? Woher kommen dieser Nährboden und die Keime für kriminelles Verhalten eines Jugendlichen? Beide sind unverzichtbare Voraussetzungen und damit die Ursachen, um die bittere Frucht der Jungendkriminalität, im Zustand einer Adoleszenzkrise, reifen zu lassen. Im Folgenden wird auf diese Fragen eingegangen.

Nach einer Beschreibung der wesentlichsten Begriffe werden die Aufgaben des Adoleszenten in Bezug auf die physische, psychische und soziale Entwicklung vorgestellt und die Konsequenzen einer schlechten oder gänzlich gescheiterten Aufgabenbewältigung dargelegt, wobei der - sich herauskristallisierende - kritische Punkt, der zur Devianz des Jugendlichen führen kann, eigens fokussiert wird. In einem weiteren Abschnitt wird auf die Problematik der Doppelbelastung von migrierten Jugendlichen eingegangen. Sie müssen einerseits den Übergang vom Kind zum Erwachsenen und andererseits den Wechsel von ihrem heimatlichen Umfeld in die sozialkulturelle Sphäre des Aufnahmelandes meistern.