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Titelaufnahme

Titel
Die Besonderheiten des Jugendstrafverfahrens / eingereicht von Lisa Pickl
AutorInnenPickl, Lisa
Beurteiler / BeurteilerinBirklbauer, Alois
ErschienenLinz, 2017
Umfang40 Blätter
HochschulschriftUniversität Linz, Diplomarbeit, 2017
SpracheDeutsch
DokumenttypDiplomarbeit
Schlagwörter (GND)Österreich / Jugendstrafverfahren
URNurn:nbn:at:at-ubl:1-18444 Persistent Identifier (URN)
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Die Besonderheiten des Jugendstrafverfahrens [0.32 mb]
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Zusammenfassung (Deutsch)

Für Jugendliche gelten im Hinblick auf das Strafverfahren die Bestimmungen der Strafprozessordnung (StPO). Jedoch wurden durch das Jugendgerichtsgesetz (JGG) 1988 teilweise eigene Sonderbestimmungen geschaffen, die unter anderem auch das Jugendstrafverfahren betreffen und damit auf den Jugendlichen, dessen geringes Alter und meist noch ausbaufähiges Unrechtsbewusstsein Rücksicht nehmen. In neuen Studien wurde verdeutlicht, dass für die Begehung einer strafbaren Handlung eines Jugendlichen, in erster Linie die Eltern in den ersten Jahren der Kindesentwicklung, im Hinblick auf Beaufsichtigung, Zuwendung und Nähe zum Kind eine große Rolle spielen und daher setzt das JGG sein Hauptaugenmerk nicht auf strafrechtliche Konsequenzen, sondern verwendet soziale Mittel als Instrument gegen die Kriminalität.

Früher galt der Hauptgedanke des vor 1988 geltenden JGG, der Erziehung des Jugendlichen. Diese Sicht der Dinge findet jedoch im heutigen JGG kaum mehr Beachtung. Im heute geltenden JGG wird berücksichtigt, dass sich die Verhaltensweisen und sozialen Ansichten von jungen Heranwachsenden noch in einem Wandel befinden und es daher nicht zweckmäßig wäre, den Jugendlichen bei Austritt aus dem unmündigen Status, mit der gleichen strafrechtlichen Konsequenz wie einem Erwachsenen zu begegnen. Es ist bekannt, dass die Konflikte der Jugendlichen mit dem Gesetz im überwiegenden Maße, nur in einer Übergangsphase, der sogenannten Adoleszenz stattfinden. In dieser Phase sind die Jugendlichen meist mit (vor-)pubertären Veränderungen konfrontiert, die bis dato für sie noch unbekanntes Terrain darstellen und daher sind viele diesen neuen Konfliktsituationen noch nicht gewachsen. Im Hinblick auf diese pubertären Situationen und die stattfindende Adoleszenzkrise wäre es nicht sehr produktiv, den Jugendlichen schon mit den vollen strafrechtlichen Sanktionen zu begegnen. Dies findet daher im JGG Berücksichtigung und es wird dadurch ein fließender Übergang von der totalen Straffreiheit der Personen unter 14 und der im ganzen Ausmaß anwendbaren Strafe des Erwachsenen geschaffen.

Der Einsatz des JGG erweist sich auch als Vorteilhaft, da der junge Heranwachsende noch mitten in seiner Entwicklung steckt und daher kriminelle Neigungen nicht gefestigt und noch wandelbar sind. Daher erscheint es zweckmäßig, einen Versuch zu starten, um den Jugendlichen wieder auf eine „gerade“ Bahn zurückzubringen. Damit kann man in vielen Fällen eine Prävention und eine Resozialisierung bereits strafrechtlich auffallender Jugendlicher erreichen. Des Weiteren muss beachtet werden, dass viele jugendliche Rechtsbrecher ihre Taten nicht aus einer sozial schädlichen Neigung heraus begehen, sondern oft bloß Neugier, Abenteuerlust oder der Drang, sich zu beweisen, dahintersteckt. Es erscheint daher aus der Sicht des JGG falsch, solche Handlungen mit einer Strafe zu sanktionieren. Ein weiterer Grund der dieses Vorgehen bestätigt ist, dass viele Jugendliche ihr Verhalten unmittelbar nach der Tat schon wieder bereuen und sehr dankbar sind, wenn sie ihre begangenen Verfehlungen wieder gutmachen können.

Das JGG distanziert sich also von der Bestrafung des Jugendlichen als Mittel der Wahl. In diesem Gesetz stehen primär Hilfestellungen und Maßnahmen im Vordergrund, um der Begehung einer strafbaren Handlung vorzubeugen. Auf der Grundlage dieser Gedanken wurde in das JGG 1988 das Instrument des außergerichtlichen Tatausgleichs aufgenommen. Damit wurde ermöglicht, dass der Jugendliche sein strafrechtliches Vergehen aufarbeiten konnte und auch das Opfer der Tat wurde von seiner reinen Stellung als Prozessobjekt befreit und aktiv in die Lösung miteinbezogen. Dieses System war so erfolgreich, dass es wenig später, nämlich 1999 als Diversionssystem vom JGG in den allgemeinen Teil des Strafrechts verschoben wurde. Die nun folgende Arbeit befasst sich schwerpunktmäßig mit den Besonderheiten im Jugendstrafverfahren. Dafür einschlägig sind vor allem die §§ 31- 46a JGG 1988. Jedoch werden auch Regelungen, die sich zwar außerhalb des JGG befinden, aber trotzdem Besonderheiten für jugendliche Rechtsbrecher enthalten, mit eingearbeitet. So finden sich beispielsweise im Strafgesetzbuch, der Strafprozessordnung, dem Tilgungsgesetz und anderen Gesetzestexten einschlägige Bestimmungen.

Im Hinblick auf das JGG werden einleitend Begriffsbestimmungen vorgenommen und erklärt, wann dieses Gesetz zur Anwendung kommt. Im Anschluss folgt die eigentliche Arbeit, deren Hauptaugenmerk auf den Besonderheiten des Jugendstrafverfahrens liegt. Hier sind als Überbegriffe mit denen sich diese Diplomarbeit auseinandersetzt, die besonderen Grundsätze des Strafverfahrens, Staatsanwaltschaft und Gericht, das Hauptverfahren, die Besonderheiten der Verfahrensbeteiligten, das Ermittlungsverfahren, das Rechtsmittelverfahren, die Kosten des Strafverfahrens und die Besonderheiten im Strafregister, zu nennen.

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